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Hallo liebe Lesende!

Ab Februar 2014 werde ich in Peking leben. Auf vielfachen Wunsch möchte ich Euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Viel Spaß dabei wünscht Julia

Alter: 35
 


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Blog

Bye, Bye Beijing!

Am 28. Januar 2014 bestieg ich das Flugzeug von München nach Peking. Heute, genau 9 Monate später, geht es von Peking nach Sydney. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet!

Wer mich weiterhin begleiten möchte, findet meine Einträge ab sofort unter „TalesfromOZ“. Neues Land, neuer Blog :-).

Bleibt mir gewogen!

http://talesfromoz.myblog.de/

28.10.14 00:28, kommentieren

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Resümee

Mein abschließender Eindruck ist schwer in Worte zu fassen. Ihr habt es ja hautnah mitbekommen: Das Leben hier glich oft einer Achterbahn der Gefühle. Mit Höhepunkten und Tiefen im stetigen Wechsel.

Im übertragenen Sinne litt ich sicher am Stockholm-Syndrom*. Manche Dinge muss man sich einfach schön reden, wenn man hier auf Dauer bestehen will.

Im persönlichen Kontakt habe ich einige angenehme Momente, viel Offenheit und Herzlichkeit erlebt. Die Helikopterperspektive zeigt eine Ellenbogengesellschaft, mit hohem Druck für den Einzelnen. Eher das Land des Rempelns, statt des Lächelns. Auf der anderen Seite herrscht hier nach wie vor eine Art Goldgräberstimmung (aktuell sicher auf einem niedrigeren Niveau als in den Jahren zuvor), die ansteckend ist. Das hohe Tempo und die erforderliche Flexibilität sind auf Dauer aber auch sehr anstrengend.

An was man sich ebenfalls schnell gewöhnt ist die ständige Verfügbarkeit von Waren & Dienstleistungen - ohne Vorlauf, 24 Stunden/7 Tage die Woche. Allerdings ist so viel sicher: Wann immer man etwas dringend braucht, ist es bestimmt nicht erhältlich.

„Billig“ ist die oberste Maxime - Qualität oft zweitrangig. Hauptsache, es sieht auf den ersten Blick gut aus. Man darf nur nicht den Fehler begehen und genauer hinschauen… Ebenfalls wichtig: Der persönliche Vorteil.

Ich hoffe jedenfalls, ich konnte euch durch meine Schilderungen eine Vorstellung von meinem Alltag in der Ferne vermitteln. Auch wenn es sicher nur einem kleinen Ausschnitt der Realität entspricht. Dafür war die Zeit zu kurz und das Land bzw. die Gesellschaft sind zu vielschichtig.

Durch meine mangelnden Sprachkenntnisse war ich an der einen oder anderen Stelle limitiert. Ich bin letztlich doch ein direkter Typ, der gerne auf den Punkt kommt. Das fällt einem mit Mandarin schwer. Jedoch muss man sagen: Man kommt hier mit Körpersprache und einem Lächeln oft ebenso ans Ziel. Das ist sogar oft präziser :-). Der Wille zählt: Mit dem nötigen Sprachtalent, Fleiß und Disziplin kann man der Sprache Herr werden. Viele Westler hier beweisen alltäglich: Das ist kein Ding der Unmöglichkeit.

In jedem Fall wird der Aufenthalt in China Spuren bei mir hinterlassen. Ich habe viel über mich selbst, mein Wertesystem und darüber gelernt, was mir wichtig ist. Manches sehe ich nun anders als zuvor. Mein Blick auf die Heimat und die eigene Herkunft haben sich sicherlich verändert. Ich freue mich auf die Rückkehr nach Deutschland und die Lebensqualität dort. Auch wenn bis dahin noch einige Zeit vergeht.

Mit Lebensqualität meine ich konkret: Das Ende der Sprachlosigkeit, die selbstverständliche Verfügbarkeit von Produkten, Autofahren, freier Daten- und Meinungsaustausch und selbstbestimmtes Handeln. Das Dinge einfach funktionieren, Menschen mitdenken und sich verantwortlich fühlen.

Anders gesagt: Aktion statt Reaktion - Standard statt Abweichung - Normalität statt Ausnahmezustand!

Ich möchte die Erfahrung keinesfalls missen. Peking hat mich als pulsierende Stadt mit vielfältigen Möglichkeiten in den Bann gezogen. Das geht soweit, dass mir Ändi eine lebenslange Haß-Liebe prophezeit :-). Ob ich den Aufenthalt direkt wiederholen würde? Ich weiß es nicht.

Wenn ich mir die Luft so anschaue: Ein klares Nein. Wenn ich mir überlege, wie belastet die Nahrung ist, die ich zu mir nehme: Nein. Wenn ich mir überlege, wie viele Wasserflaschen ich verbraucht habe, weil das Leitungswasser nicht genießbar ist: Nein.

Gerade das Thema Luft habe ich oft strapaziert. Etwas, was ich vorher als gegeben angesehen habe. Wie allgegenwärtig und lebensnotwendig Sauerstoff ist, bemerkt man hier an schlechten Tagen. Der Verschmutzungsgrad und das Gefühl des Ausgeliefertseins hinterlassen ein mulmiges Gefühl.

Ich habe zum Glück die Freiheit, das Land verlassen zu können. Die Mehrheit hat diesen Luxus nicht.

Interessant bleibt sicher die weitere Entwicklung Chinas. Wohin es geht, wird die Zukunft zeigen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für euer Interesse!

*Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.

1 Kommentar 27.10.14 06:34, kommentieren